Überraschungsfilm – Mit weniger als 30 km/h …..

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Datum:

28.06.2019

Uhrzeit:

20:00 - 22:00

Ort:

Großer Saal / Hölderlin Eins

Kategorie

Eintritt

Eintritt frei, Spenden erbeten

 

Roadmovies sind nichts für den deutschen Film. Aus dem einfachen Grund, weil man Deutschland in nur einem Tag schon durchfahren hat. Oder aber man drosselt ihnen die Geschwindigkeit. Wie in dem Film, wo der Filmtitel das Tempo bereits vorgibt.

Zwei Brüder beschließen darin, einen alten Jugendtraum endlich doch noch zu realisieren. Einmal durch ganz Deutschland fahren, vom heimatlichen Schwarzwald bis nach Rügen. Aber eben nicht bequem im Auto, sondern auf ihren alten Mofas, die noch immer im Schuppen des eben verblichenen Vaters rumstehen und verstauben.
Viele Jahre haben sich die beiden nicht mehr gesehen, seit Christian den väterlichen Hof verlassen hat. Georg hat den Vater ganz alleine gepflegt. Selbst zur Beerdigung kommt Christian zu spät, weshalb sich die Brüder gleich beim Wiedersehen und ganz buchstäblich in die Haare kriegen.

Noch am Grab, vor der irritierten Trauergemeinde. Aber dann finden sie unter ihrer alten Tischtennisplatte auf dem Speicher den Plan ihrer Deutschlandtour. Und spontan beschließen die beiden, die sich über all die ­Jahre reichlich fremd geworden sind, erstmals etwas gemeinsam zu unternehmen. Und spontan loszufahren. Noch im Trauer­anzug. Und ohne Wechselkleidung.
Der Film ist „Easy Rider“ auf kleineren, wenn auch frisierten Maschinen. Und eine Hommage ans Mofa als Fortbewegungsmittel. Vor allem aber ist der Film eine Kreuzung von Road-Movie und Buddyfilm. Ein Road-Buddy, wenn man so will. Regisseur Markus Goller dreht irgendwie immer solche Filme. „Friendship!“ (2010) etwa, wo zwei Ossis sich gleich nach Mauerfall auf eine Reise durch die USA machen, auf der Suche nach dem Vater des einen. Oder „Frau Ella“ (2013), wo ein junger Mann eine alte Frau kidnappt und sich mit ihr auf die Suche nach ihrer großen Liebe macht.
Wo die ungleichen Brüder mal auf einem Weinfest zwei frustrierte Ehefrauen kennen lernen. Halbnackt auf dem Mofa den Unmut der örtlichen Polizei erregen. Oder bei einem Tischtennisspiel gegen einen wütigen Rocker ihre Mofas verlieren und dann wieder zurück klauen.
Eine Reise mit diversen Hindernissen, bei denen die Protagonisten vor allem zu sich selbst finden müssen. Georg, der glücklose Tischler in der Heimat, muss endlich den Mut finden, seiner Jugendliebe seine Gefühle zu gestehen. Christian, der erfolgreiche Manager im Ausland, muss sich endlich dem Sohn stellen, mit dem er einst seine Freundin hat sitzen lassen. Vor allem aber müssen die Brüder erst ganz weit weg fahren, um sich einzugestehen, wie nah sie sich doch sind.

 Das ist mal herrlich überdrehte Momente, mal sehr berührende und dann auch wieder welche zum Fremdschämen. Zusammengehalten wird das bis in kleinste Rollen hochkarätig besetzte „Road-Buddy“ aber von den beiden Hauptdarstellern.

Wenn die beiden Hauptdarsteller, lässig auf ihren alten Klapperkisten nebeneinanderher knattern, wenn sie das Weinfest mit einem irrwitzigen Steptanz rocken und immer wieder Tischtennis spielen, gegen einander oder gegen andere, dann ist das auch schauspielerisch ein Ping-Pong-Spiel, dem man nur zu gerne zuschaut. Da würde man am liebsten die Geschwindigkeit noch weiter drosseln, damit die beiden nicht zu schnell an der Ostsee ankommen mögen.

Deutschland / 2018 / 116 Minuten / FSK 6

 

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